Neun Tage zwischen Sturm und Leichtwind: 88. Warnemünder Woche endet mit zufriedenen Seglerinnen und Seglern

9 Tage, 9 Regattabahnen, 15 Klassenwertungen, 386 Boote und Yachten, 774 Seglerinnen und Segler
Neun Tage Segelsport, Wind zwischen Sturm und Flaute sowie Strömung und die berühmte Warnemünder Welle: Die 88. Warnemünder Woche hat den Seglerinnen und Seglern nahezu die gesamte Bandbreite geboten, die das Revier an der Mündung der Warnow bereithält.
Zum Auftakt peitschten noch Böen mit bis zu acht Beaufort über die Ostsee. In der Wochenmitte zwang ein Sturmtief mehrere Klassen zur Pause, bevor sich das Wetter zum zweiten Wochenende vollständig wandelte. Sonne und leichter Wind bestimmten schließlich die letzten Wettfahrttage. Trotz der großen Unterschiede konnten in allen Klassen ausreichend Rennen für belastbare Entscheidungen gesegelt werden.
Offshore
Traditionell eröffneten die Seesegler die Regattawoche. Bei kräftigem Wind und anspruchsvollem Schwell führte die erste Langstrecke die Crews zunächst westwärts in Richtung Kühlungsborn. Eine lange Kreuz, ein tiefer Raumschenkel und der abschließende Halbwindkurs zurück nach Warnemünde verlangten den Crews dabei auf knapp 30 Seemeilen unterschiedliche Fähigkeiten ab.
Den sportlichen Höhepunkt im Offshore-Programm bildete Rund Bornholm. Aufgrund der angekündigten Sturmböen wurde der Kurs allerdings rechtzeitig verkürzt. Statt Bornholm zu umrunden, führte die gut 120 Seemeilen lange Strecke zu einem Wendepunkt nördlich von Rügen und anschließend zurück nach Warnemünde.
Die schnellsten Yachten benötigten weniger als 13 Stunden. In der Yardstickwertung setzte sich die Skendata-Illbruck nach berechneter Zeit vor der OSPA durch. Im Ziel trennten beide Yachten nach gesegelter Zeit nur knapp vier Minuten.
In der ORC-Wertung gewann Hauke Sponholz mit der Universitas vor Jens Kuphal auf der Exciter. Die ORC-Club-Wertung entschied Jan Laschinsky mit der Vaiana vor Markus Linde auf Ocean Calling für sich.
Zum Abschluss des Seesegelprogramms erinnerte die Bäderregatta an die Anfänge der Warnemünder Woche vor 100 Jahren. Wegen der – in diesem Fall – schwachen Windvorhersage wurde auch diese Strecke verkürzt. Der Wind entwickelte sich dann allerdings besser als angenommen. Die Universitas mit Skipper Justus Müller kreuzte bereits weniger als zwei Stunden nach dem Start als erstes Schiff wieder die Ziellinie.
Nach berechneter Zeit gewann Klaus-Dieter Hink mit der Saphira die Yardstickwertung. In der ORC-Wertung setzte sich Andreas Bloch mit der Roxy 3.0 durch.
Der WIRO-XXL-Cup für die beste Yacht aller drei In- und Offshore-Regatten ging die Yacht GERONIMO 2.0 von Falk Einecke.
Finn-Dinghy
Foto: Pepe Hartmann
André Budzien bestimmte die Regatta im Finn-Dinghy von Beginn an. Schon am ersten Tag gewann er zwei Wettfahrten und legte damit den Grundstein für seinen späteren Gesamtsieg.
Besonders anspruchsvoll wurde es am zweiten Wettfahrttag. Bei starkem Wind und hoher Welle entschieden sich nur vier der elf gemeldeten Segler dafür, den Hafen zu verlassen. Zwei Wettfahrten konnten gesegelt werden, bevor die Wettfahrtleitung die Segler wieder zurück in den Hafen schickte.
Am Abschlusstag änderte sich an der Spitze nichts mehr. Budzien gewann vor Fabian Lemmel und Harald Weichert.
ILCA 4
Foto: Pepe Hartmann
Für die jüngsten ILCA-Seglerinnen und -Segler wurde der Starkwindtag aus Sicherheitsgründen gestrichen. An den übrigen Tagen zeigte Kira Gremlitza allerdings eine weitgehend souveräne Leistung.
Mit einem fünften Platz als Streicher sowie einem ersten und einem zweiten Platz in den abschließenden Rennen sicherte sie sich den Sieg bei der Eastern District Championship. Julian Konrad Garbe folgte auf Rang zwei, Rasmus Buck komplettierte das Podium.
ILCA 6
Foto: Pepe Hartmann
Victor Hensel lieferte eine der konstantesten Leistungen der gesamten Warnemünder Woche ab. Nach einem zweiten Rang im ersten Rennen gewann er sechs Wettfahrten in Folge. Der zweite Platz wurde damit sogar zu seinem Streichergebnis.
Mit deutlichem Abstand setzte er sich vor dem Dänen Peter Selko und Stephanie Louise Norton aus Hongkong durch.
ILCA 7
In der ILCA-7-Klasse entwickelte sich ein enger Zweikampf zwischen Nik Aaron Willim und Vorjahressieger Ole Schweckendiek. Willim führte nach den ersten beiden Tagen, während Schweckendiek insbesondere in den entscheidenden letzten Wettfahrten immer näher an Willim heranrückte.
Mit einem ersten und einem zweiten Platz am Abschlusstag lieferte der Kieler nahezu perfekt ab. Willim kämpfte sich zwar immer wieder nach vorne, musste sich nach einem siebten Platz im letzten Rennen aber geschlagen geben. Hier fehlten dann zum Schluss einfach ein paar Meter, wie er sagte.
Ole Schweckendiek gewann damit die Eastern District Championship vor Nik Aaron Willim. Der Norweger Theodor Middelthon rückte „am grünen Tisch“ noch auf den dritten Podiumsplatz vor. Markus Hestbaek hatte sich nach zwei Tagessiegen am Starkwindtag auf das Podium geschoben, wurde aber in der vorletzten Wettfahrt disqualifiziert, da er sich vor dem Startschuss bereits auf der Bahn befand.
Topcat
Die Topcats erwischten einen schwierigen Start in die Warnemünder Woche. In der alten Welle kam es am ersten Tag zu zahlreichen Kenterungen. Am folgenden Starkwindtag blieben die Katamarane vollständig im Hafen.
Erst am Montag fanden die Klassen Bedingungen vor, bei denen mehrere Wettfahrten möglich waren. Sascha Streichel dominierte dabei das kleine Feld der Topcat K1 mit vier Siegen. Gerrit Haake und Sascha Giebelhausen folgten auf den weiteren Plätzen.
In der Topcat K2 setzte sich Ralf Zank vor Steffen Johne durch. Matthias Horstmann gewann die Wertung der Topcat K3 vor Enno Harders.
O’pen Skiff U13
Die jüngsten Teilnehmerinnen und Teilnehmer mussten während ihrer Regatta besonders viel Geduld beweisen. Nach zwei Wettfahrten zum Auftakt verhinderte der Sturm am Dienstag weitere Rennen. Einen Tag später nutzte die Wettfahrtleitung ein enges Wetterfenster und brachte vier Wettfahrten in kurzer Folge ins Ziel.
Bei hohen, steilen Wellen setzte sich der Pole Milej Krzysztof an die Spitze. Nach einem siebten Platz am ersten Tag gewann er drei der vier abschließenden Rennen und wurde in einem weiteren Lauf Zweiter.
Henryk Glaza aus Polen folgte auf Rang zwei. Benedikt Becker erreichte als bester deutscher Segler den dritten Platz.
O’pen Skiff U17
Auch bei den älteren O’pen-Skiff-Seglern fiel die Entscheidung erst am letzten Wettfahrttag. Pawel Sitko aus Polen verließ die ersten drei Plätze in den Einzelrennen nur mit seinem späteren Streichergebnis.
Mit zwei Siegen, zwei zweiten Plätzen und einem dritten Rang setzte er sich vor Rehaan Dar aus Indien durch. Zahaan Hemrajani aus den USA komplettierte punktgleich mit Dar das internationale Podium.
Florian Schlupp erreichte als bester deutscher Teilnehmer Rang vier.
Zoom8

Für die Zoom8 begann die Boys and Girls Championship unter schwierigen Voraussetzungen. Am ersten Wettfahrttag am Mittwoch lag der Wind zeitweise genau an der oberen Grenze dessen, was die jungen Seglerinnen und Segler bewältigen konnten. An den folgenden Tagen änderten sich die Bedingungen deutlich. Nach kräftigem Wind zum Auftakt mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließlich mit leichtem Wind, Strömung und mehreren Drehern zurechtkommen.
Doch der Österreicher Jakob Gsell brillierte bei allen Bedingungen und zeigte eine konstant starke Leistung, sodass er sich den Sieg bei der Weltmeisterschaft der Zoom8 sicherte. Emily Kargl aus Österreich zeigte ebenfalls eine sehr starke Leistung und belegte denkbar knapp hinter Gsell den zweiten Platz. Auf Rang drei folgte Aviaya Hammershøj Callesen aus Norwegen.
J/70
Die 15 Crews der J/70 trugen vor Warnemünde ihre Internationale Deutsche Meisterschaft aus. Mats Schönebeck eröffnete die Regatta mit zwei Siegen und einem zweiten Platz, musste die Führung am zweiten Wettfahrttag aber an Kai-Uwe Hollweg abgeben.
Hollweg gewann an diesem Tag drei der vier Rennen und kam im vierten Lauf als Zweiter ins Ziel. Damit setzte er sich an die Spitze und gab diese nicht mehr her. Nur im letzten Rennen leistete sich die Crew mit einem achten Platz ihr Streichergebnis, nachdem sie einen Strafkringel fahren mussten
Kai-Uwe Hollweg gewann bei seinem ersten Start auf dem Revier vor Warnemünde den deutschen Meistertitel. Mats Schönebeck folgte auf Rang zwei. Till Pomarius setzte sich im Kampf um Platz drei punktgleich gegen Mika Trosien durch.
Kielzugvogel
Bei den Kielzugvögeln begann die Internationale Deutsche Meisterschaft zunächst mit Problemen. Nach einer Kollision mehrerer Boote in der Startphase und einer Disqualifikation gegen Alexander Morgenstern lag zunächst Frank Schönfeldt an der Spitze.
Morgenstern ließ sich von dem Rückschlag allerdings nicht aufhalten. In den letzten vier Wettfahrten segelte er jeweils als Erster ins Ziel. Selbst die Disqualifikation wegen unerlaubten Pumpens und drei zusätzliche Strafpunkte für einen fehlerhaften Check-in konnten seinen Titelgewinn nicht mehr verhindern.
Alexander Morgenstern gewann die Internationale Deutsche Meisterschaft vor Frank Schönfeldt. Axel Fischer komplettierte das Podium.
Korsar
Silja und Jonna Braun dominierten die Korsar-Regatta beinahe nach Belieben. Das Geschwisterduo gewann mit einer beeindruckenden Serie von acht Siegen in acht Rennen. Doch zum Schluss mussten die beiden dann doch bangen, denn Silja Braun war davon ausgegangen, dass die Regatta für die Korsare bereits am Samstag enden würde, und konnte am Sonntag nicht in Warnemünde dabei sein – sie wurden am Sonntag also entsprechend mit der Höchstzahl an Punkten bewertet.
Die Braun-Geschwister waren somit auf Schützenhilfe angewiesen, denn Beate Wahrendorf-Kruck und Ute Rogers konnten sie rechnerisch noch einholen.
Es war schließlich ihr Vater Dirk Braun mit Vorschoter Jürgen Kruck, der seinen Töchtern den Sieg bei der Warnemünder Woche im Korsar sicherte. Mit zwei Siegen in den letzten beiden Läufen verhinderte er, dass die Crew um Beate Wahrendorf-Kruck in der Ergebnisliste noch an den Brauns vorbeiziehen konnte.
Die Geschwister segeln nun seit drei Jahren gemeinsam im Korsar. Ihr Vater machte ihnen die Klasse schmackhaft. Da sie für den 470er zu wenig Zeit hatten, starteten sie stattdessen im Korsar durch. In diesem Jahr läuft es für die beiden richtig gut. Wann immer sie an den Start gingen, standen sie am Ende auf dem Treppchen. Nur bei der Deutschen Meisterschaft vor wenigen Wochen belegten sie den zweiten Platz. In der Klasse fühlen sie sich sehr wohl, betonen das Gemeinschaftsgefühl und räumen auch mit dem Vorurteil auf, die Klasse sei überaltert. Es kämen durchaus noch junge Crews nach, sagt Jonna Braun. Dass sie sich als Schwestern so gut kennen und verstehen, helfe ihnen auf der Bahn. Ist das ihr Geheimnis? „Wir verstehen uns jedenfalls sehr gut, aber manchmal finden wir uns gegenseitig auch richtig blöd“, sagt Jonna Braun und lacht.
Sie kommen gerne nach Warnemünde zurück, sagt sie. Bleibt zu hoffen, dass sie weiterhin für ihre Klasse brennen und den Spaß nicht verlieren.
OK-Jolle

André Budzien setzte sich in der OK-Jolle früh an die Spitze. Bei leichtem Wind, Strömung und mehreren Drehern gewann der dreifache Weltmeister zwei der ersten drei Wettfahrten.
Am Samstag rückte das Feld enger zusammen. Sebastian Schmidt-Klügmann und Mathias Rieck gewannen jeweils eine Wettfahrt, während Budzien mit einem vierten und einem zweiten Platz seine Führung verteidigte.
Auch am Sonntag behauptete Budzien souverän seine Führung in der Gesamtwertung. In den letzten beiden Wettfahrten kam er jeweils direkt hinter seinem engsten Konkurrenten Cord Prignitz ins Ziel. Das reichte knapp, aber souverän aus, um die Ranglistenregatta der OK-Jollen im Rahmen der Warnemünder Woche zu gewinnen.
Hobie 16
Die Hobie 16 starteten bei leichtem Wind in ihre Internationale Deutsche Meisterschaft. Am ersten Tag zeigte sich, dass die Katamarane bei weniger als acht Knoten nur schwer in Fahrt kommen.
Am Samstag entwickelte sich der Wind allerdings besser als vorhergesagt. Vier Wettfahrten konnten gesegelt werden. Nach insgesamt sieben Läufen führten der Däne Nicolaj Bjørnholt und Stine Abratis vor Ingo Delius und Sabine Delius-Wenig. Calle Hulthin Sørensen und Wiebke Finkemeyer lagen auf Rang drei.
Auch am Sonntag herrschten ähnliche Bedingungen. Das dänisch-deutsche Duo Bjørnholt/Abratis konnte seinen Vorsprung mit einem achten und einem ersten Platz weiter ausbauen. Auf dem Podium gab es jedoch noch eine Veränderung: Die bis dahin zweitplatzierten Ingo Delius und Sabine Delius-Wenig landeten in den letzten beiden Wettfahrten nur im Mittelfeld und öffneten damit Ulf Hahn und Katrin Wiese-Dohse die Tür, im Gesamtklassement noch auf Rang zwei zu klettern.
Beneteau First 18 SE

In der Beneteau First 18 SE entwickelte sich zunächst ein enger Zweikampf zwischen Tom Bernstein und Walter Wüllenweber. Wüllenweber gewann die ersten beiden Rennen, musste mit einem fünften Platz anschließend aber einen Rückschlag hinnehmen.
Bernstein übernahm die Führung und baute sie am Samstag so weit aus, dass er vor der letzten möglichen Wettfahrt rechnerisch nicht mehr eingeholt werden konnte.
Damit stand Tom Bernstein bereits vor dem Abschlusstag als Sieger fest. In der einzigen und letzten Wettfahrt der Serie am Sonntag segelte er mit seiner Crew auf einen entspannten vierten Platz. Auf dem Treppchen sicherten sich Jan Wilkens und Tobias Rieger noch Rang drei hinter Walter Wüllenweber und Martin Schmidt.
Marinekutter
Auch das Marinestützpunktkommando Warnemünde nutzte die Warnemünder Woche erneut für seine Standortregatta. Acht Marinekutter segelten um den Wanderpreis des Standortältesten.
Nach vier Wettfahrten führte der Kutter K71 die Wertung an.
Fazit
Mit den letzten Zieleinläufen ging eine Warnemünder Woche zu Ende, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel abverlangte und eine ständige Anpassung an die Bedingungen erforderte. Eine Herausforderung für alle – am Ende aber auch mit strahlenden Gesichtern und viel Lob für die Beteiligten.
„An Wetter hat uns Warnemünde mal wieder alles geliefert. Wir hatten stürmischen Wind, wir hatten schwachen Wind, wir hatten hohe Wellen und keine Wellen, wir hatten viel Strömung und wenig Strömung. Warnemünde ist ein Revier, in dem man für alle Bedingungen trainieren kann. Ich freue mich, dass wir an fast allen Tagen segeln konnten. Außerdem haben wir es durch vorausschauendes Umplanen der Rennen geschafft, in nahezu allen Klassen die vorgesehenen Wettfahrten abzuschließen“, zieht Gesamtwettfahrtleiterin Pınar Coşkuner Genç Bilanz.
Im Vergleich zu den Olympischen Spielen 2024 sei es in Warnemünde noch komplizierter, da noch mehr Regattabahnen, Klassen sowie Seglerinnen und Segler zu koordinieren seien, führt sie aus. Durch die neue Sportschule direkt an der Mittelmole und mitten im Regattageschehen habe sich die Warnemünder Woche weiter professionalisiert. Diese Infrastruktur sei einzigartig. Sie hoffe, dass auch künftig weiter in die Infrastruktur des Standortes investiert werde.
„Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf der Warnemünder Woche in diesem Jahr. Wir konnten leider an einem Tag nicht segeln, aber wir haben es geschafft, allen Klassen genügend Rennen zu ermöglichen“, sagt Ralf Bergel, Chairman der Warnemünder Woche.
Ohne die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wäre die Warnemünder Woche in dieser Form nicht möglich. Auch die Unterstützung der Partner trug wesentlich dazu bei, die Veranstaltung in dieser Form durchführen zu können.
„Im nächsten Jahr freue ich mich auf die EM der 505er und die WM der J/22 als Teil der 89. Warnemünder Woche!“








