Auch wenig Wind kann die 88. Warnemünder Woche nicht stoppen

Pünktlich zum zweiten Wochenende der 88. Warnemünder Woche kehrte der Sommer an die Ostseeküste zurück! Weniger schön: Unter dem Einfluss eines verlagerten Azorenhochs mit einen Hochdruckkeil über Europa sackte auch der Wind weg. Mit sechs bis zehn Knoten aus nordwestlichen Richtungen hatten viele Klassen heute Morgen Sorge, dass eventuell nicht alle Wettfahrten durchgeführt werden können. Doch das sollte sich nicht bewahrheiten. 

Kielzugvogel

Frank SCHÖNFELD und sein Vorschoter Herbert KUJAN liegen bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft zur Zeit auf dem zweiten Rang. Foto: Pepe Hartmann

„Guter Wind für die Zugvögel. Wir konnten drei Wettfahrten segeln und heute gab es in der Startphase auch keine Probleme. Ich denke, alle Segler waren rundum zufrieden“, sagt Wettfahrtleiter Jan Büttner.

Die Prognose sagt für morgen Wind voraus, der knapp an der Grenze des Segelbaren liegt. „Aber wir hoffen, dass wir rauskommen, damit die Kielzugvögel noch segeln können“, schließt Büttner mit einem Blick auf den Samstag.

In der Rangliste hat sich gegenüber gestern leicht etwas getan. Alexander Morgenstern hat sich mit den drei heutigen Wettfahrten an die Spitze gesetzt. Der disqualifizierte Lauf von gestern mit 24 Punkten ist nun sein Streichergebnis.

„Richtig erklären kann ich das nicht. Wir wurden wegen angeblichen Pumpens disqualifiziert, aber wir haben nicht gepumpt“, erklärt Morgenstern die Disqualifikation im zweiten Lauf am Vortag.

Der hohe Streicher wird ihn indirekt unter Druck setzen, da er sich keinen großen Fehler mehr erlauben darf. Frank Schönfeldt sitzt ihm dicht im Nacken – aktuell trennt die beiden nur ein Punkt. Falls die Kielzugvögel morgen ihre Wettfahrten starten können, verspricht das ein spannendes Finale. „Ich denke, die Regatta wird sich morgen erst auf der letzten Kreuz entscheiden. Wir sind alle sehr dicht zusammen“, sagt Morgenstern.

Zoom8

Auch die jüngsten Seglerinnen und Segler der 88. Warnemünder Woche segelten heute bei leichtem Wind drei weitere Rennen ihrer Weltmeisterschaft.

An der Spitze steht weiterhin der Österreicher Jakob Gsell, der mit zwei Siegen und einem vierten Platz seine Führung behauptet. Dicht dahinter folgt Emily Kargl: Mit den Ergebnissen 3, 2 und 1 – darunter der Tagessieg in der dritten Wettfahrt – belegt sie Rang zwei und bleibt in Schlagdistanz. Den dritten Gesamtrang hält Tora Aviaya Hammershøj Callesen, die heute scheinbar größere Schwierigkeiten hatte als gestern und mit zwei fünften Plätzen den Anschluss an die Spitze etwas verlor.

Die Weltmeisterschaft läuft noch bis Sonntag – die Entscheidung ist aber noch längst nicht gefallen. Da die Zoom8 heute anstelle des geplanten Ruhetages gesegelt sind, stehen laut Plan jetzt noch zwei Wettfahrten aus.

Korsare

Silja und Jonna BRAUN führen mit 4 Siegen das Feld der Korsare deutlich an. Foto: Pepe Hartmann

Gestern Nachmittag erhöhte die Wettfahrtleitung die Anzahl der geplanten Wettfahrten für heute von drei auf vier – aus Sorge, dass der Wind die Korsare am Samstag im Stich lassen könnte. Doch der Wind machte ihnen bereits heute einen Strich durch die Rechnung, allerdings erst in der vierten Wettfahrt. Bei maximal vier Knoten Wind kamen auch die schnellen Korsare nicht mehr in Fahrt. Die Wettfahrt wurde abgebrochen.

„Das war tatsächlich gut für uns, da wir zum Zeitpunkt des Abbruchs etwas hinten lagen und wahrscheinlich nicht mehr bis ganz nach vorne gekommen wären. Für die Führenden Beate Wahrendorf-Kruck und ihre Vorschoterin Ute Krock war der Abbruch natürlich ärgerlich. Mit den beiden haben wir heute den ganzen Tag gefightet und hätten es ihnen gegönnt!“, fasst Silja Braun zusammen.

Die Bedingungen waren auch heute sehr gut, allerdings forderte die starke Strömung die Crews heraus. „Das mussten wir bei allen Entscheidungen auf dem Wasser heute berücksichtigen, was uns aber gut gelungen ist“, so Braun.

Morgen hoffen die beiden auf einen leichten Einfluss der Thermik, wenn sich das Land stärker erwärmt als das Wasser und sich eine Seebrise bildet.

OK

Andrè BUDZIEN liegt nach den heutigen Regatten der OK-Jollen auf dem ersten Rang. Foto: Pepe Hartmann

Leichter Wind bis zehn Knoten und eine Strömung aus West – für die OKs war es ein solider Auftakt in die 88. Warnemünder Woche. Dabei hatte André Budzien im Vorfeld bereits eine Ahnung, was auf die Klasse zukommen könnte. Wenig Wind, so der Schweriner, werde für die OK-Jollen eine größere Herausforderung darstellen. Er sollte recht behalten.

Denn die leichten Bedingungen mit Strom und einigen Winddrehern verlangten von der Flotte taktisches Segeln und ständiges Antizipieren.

Budzien selbst ließ sich davon kaum beirren, hatte nur im zweiten Lauf Probleme und landete „nur“ auf Rang vier. Der dreifache Weltmeister (2018 auf eben diesem Revier vor Warnemünde) setzte sich ansonsten mit zwei ersten Plätzen an die Spitze der Gesamtwertung. Dahinter liegt Cord Prignitz Rang zwei. Den Gesamtdrittplatzierten Andreas Pich, der eine ansteigende Tagesform zeigte, trennen nur wenige Punkte vom Spitzenduo.

Die nächsten Tage werden zeigen, ob Budzien seinen Vorsprung auch bei Bedingungen verteidigen kann, die ihm nach eigener Einschätzung weniger liegen.

J/70

Führen zur Zeit das Feld der J-70 bei ihrer Internationalen Deutschen Meisterschaft an: Kai-Uwe HOLLWEG und seine Crew. Foto: Pepe Hartmann.de

Die Crews der 15 J/70 erlebten heute zunächst besseren Wind als vorhergesagt und konnten alle geplanten vier Wettfahrten beenden. Nach gestern noch an der Spitze musste Mats Schönebeck am zweiten Tag Platz machen. Den übernahm Kai-Uwe Hollweg mit seiner Crew. Mit vier starken Ergebnissen – drei ersten Plätzen und einem zweiten – segelte der J/70-Skipper an die Spitze der Gesamtwertung. Schönebeck bleibt aber in Schlagdistanz.

„Es war ein superschöner Segeltag heute. Die Strömung war natürlich schwer zu erkennen, aber es war hoch interessant, unter den Bedingungen zu segeln“, sagt Kai-Uwe Hollweg. Er segelt zum ersten Mal vor Warnemünde und zeigt sich begeistert. „Eine wirklich tolle Organisation und es macht sehr viel Spaß, vor Warnemünde zu segeln. Das sind ganz tolle, herausfordernde Bedingungen!“, beschreibt er seine Eindrücke vom Seerevier.

Die angesagten Bedingungen morgen betrachtet er als neue Herausforderung. Er und seine Crew freuen sich jedenfalls auf den morgigen Tag, denn schließlich „lernen wir jeden Tag dazu!“

Hobie 16

Farbenfroher Start der Hobie 16 Internationalen Deutschen Meisterschaft. Foto: Pepe Hartmann

Die Wettfahrtleitung der Hobie 16 befürchtete am Morgen noch, dass der angesagte Wind nicht für die geplanten drei Wettfahrten reichen könnte. Bei sechs Knoten sei es gerade noch möglich, Wettfahrten zu segeln.

Doch der Wind lag dann zum Glück über dieser Schwelle, sodass alle Wettfahrten abgeschlossen werden konnten. Auch wenn es bei den Starts zu kleineren Problemen kam und es einige neue Anläufe brauchte, bis das Feld nach dem Startschuss über die Linie segelte.

Nach dem ersten Tag zeigten Stephan Schubert und Anke Delius die konstanteste Leistung und belegen Rang eins. Dahinter folgen mit deutlichem Abstand Calle Hulthin Sornsen und Wiebke Finkemeyer sowie Nicolaj Björnholt und Stine Abratis.

First 18

Die First 18-Klasse segelte zum Einstieg in die 88. Warnemünder Woche drei Wettfahrten. Foto: Pepe Hartmann

Die Seglerinnen und Segler der First 18 konnten sich heute sogar über etwas bessere Bedingungen als vorhergesagt freuen. „Zu Beginn hatten wir sogar etwas mehr Wind als angesagt, also durchaus positiv. Hinzu kam eine deutliche Stromkomponente aus West mit ein paar Winddrehern, was sicherlich eine Herausforderung war“, schildert Wettfahrtleiterin Svenja Herziger.

Besonders freut sie, dass eine zusätzliche Wettfahrt gesegelt werden konnte. Auch hier entschied man gestern vorsorglich, eine weitere Wettfahrt einzuplanen, falls der Wind am Samstag deutlich nachlassen sollte. Jetzt liegt die Klasse mit einer Wettfahrt über Plan.

Das vorläufige Podium führt Tom Bernstein an. Mit nur einem Punkt Rückstand folgt Walter Wüllenweber. Er gewann heute die ersten beiden Wettfahrten, patzte dann aber im dritten Lauf mit einem fünften Platz. Nach dem vierten Rennen könnte dieses Ergebnis zum Streicher werden. Sollte der Wind morgen durchhalten, verspricht das ein spannender Abschluss zu werden.

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