Windüberraschung vor Warnemünde: Spannender Tag auf dem Wasser

Das morgendliche Wetterbriefing klang für den Samstag wenig optimistisch. Durch den Hochdruckeinfluss sollte der Wind kaum über sieben Knoten aus Nord hinauskommen. Aufgrund der steigenden Temperaturen hoffte die Wettfahrtleitung zumindest auf eine Seebrise durch einsetzende Thermik, doch auch das galt als eher unrealistisch. Die Differenz zwischen der Temperatur an Land und auf See sei zu gering, um eine entsprechende Strömung aufzubauen. Doch es sollte anders kommen.
Bäderregatta – 100 Jahre Warnemünder Woche
Schon gestern Nachmittag wurde der Kurs verkürzt. Statt nach Kühlungsborn und wieder zurück sollte nun ein Fischereischutzgebiet vor Nienhagen umsegelt werden. Da nur wenig Wind vorhergesagt war, schien das die einzige Möglichkeit zu sein, die Langstrecke rechtzeitig beenden zu können – auch um zu verhindern, dass die Schiffe draußen vor der Küste „verhungern“. Doch der Wind hielt sich nicht ganz an die Absprache.
„Wir sind ja nur knapp die Hälfte der Strecke gesegelt, die eigentlich geplant war. Da hat heute die Wettervorhersage nicht ganz gestimmt. Die Vorhersage sprach von nachlassendem Wind, aber er nahm dann zu. Bei den Bedingungen hätten wir auch die volle Strecke segeln können“, sagt Wettfahrtleiter Dirk Jahnke.
Das First Ship Home, die Universitas mit Skipper Justus Müller, segelte bereits keine zwei Stunden nach dem Start wieder ins Ziel. Keine halbe Stunde später kreuzte auch das letzte Schiff die Ziellinie. Der West-Ost-Kurs barg keine größeren Überraschungen, da der Wind recht konstant aus Nord wehte.
„Den Crews war es ja freigestellt, wie sie das Schutzgebiet umfahren konnten. Neun sind gegen den Uhrzeigersinn herum, einer im Uhrzeigersinn“, beschreibt Jahnke die größte strategische Entscheidung des Rennens.
In der Yardstick-Wertung gewann Klaus-Dieter Hink auf Saphira nach berechneter Zeit. Andreas Bloch auf Roxy 3.0 sicherte sich den Sieg nach berechneter Zeit in der ORC-Wertung.
J/70

Der Sieger steht fest: Kai-Uwe Hollweg segelte bei der 88. Warnemünder Woche zum ersten Mal auf dem Revier vor Warnemünde – und gewann gleich die Deutsche Meisterschaft in der J/70-Klasse. Mit insgesamt acht Wettfahrten setzte er sich am zweiten Wettfahrttag an die Spitze und gab diese nicht mehr her. Nur in der letzten Wettfahrt leistete er sich mit einem neunten Platz ein Streichergebnis.
„Ja, da hatten wir etwas Pech und mussten kringeln. Wir wissen selber nicht so genau, wieso wir den Penalty kassiert haben“, erklärt Hollweg die Platzierung im Mittelfeld.
Der Wind aus Nord machte es dem 15-köpfigen Feld am Abschlusstag nicht leicht. Im ersten Rennen wehte er mit sieben bis acht Knoten – mehr als vorhergesagt –, im zweiten zog er sogar auf zehn Knoten an.
„Wir hatten deutlich mehr Wind als vorhergesagt und auch einige Winddreher, sodass wir die Bahn leicht anpassen mussten“, sagt Wettfahrtleiterin Svenja Herziger.
Mats Schönebeck, der nach den ersten Rennen noch auf Augenhöhe mit Hollweg lag, sicherte sich den zweiten Platz. Till Pomarius und Mika Trosien folgen punktgleich auf den Plätzen drei und vier.
„Es ist ein super Revier bei den Konditionen der letzten Tage. Das Revier zusammen mit der Organisation ist einfach perfekt. Da möchte ich mich bei allen bedanken und wir kommen bestimmt wieder!“, zieht Hollweg sein Fazit.
Eigentlich waren heute sogar drei abschließende Wettfahrten geplant, doch das dritte Rennen musste aufgrund der Regularien gestrichen werden. „Wir sind etwas später raus heute und mussten dann das geplante dritte Rennen absagen, da wir nach 14.00 Uhr kein neues Rennen mehr starten durften und vorher keinen Start mehr hinbekommen hätten“, so Herziger.
Hobie 16

Für die Hobies standen heute vier Wettfahrten auf der Agenda. Nach dem Wetterbriefing am Morgen hatte Wettfahrtleiter Raik Wollenbecker noch ein paar Sorgen, ob bei dem vorhergesagten Wind überhaupt gestartet werden kann.
„Der Wind hat sich dann doch sehr gut entwickelt. Wir wollten schon eine Mängelanzeige beim DWD einreichen“, sagt Wollenbecker mit einem Augenzwinkern.
Die farbenfrohen Katamarane kamen dann schnell in Fahrt: „Die Hobies haben bei wenig Wind ein paar Probleme. Das haben wir auch heute gesehen. Sobald wir acht Knoten hatten, kamen sie ordentlich in Fahrt und wir konnten vier gute Wettfahrten segeln.”
Nach sieben Wettfahrten führt der Däne Nicolaj Bjørnholt mit Vorschoterin Stine Abratis das 37 Starter umfassende internationale Feld an. Dahinter folgen Ingo Delius mit Sabine Delius-Wenig auf Rang zwei sowie der Däne Calle Hulthin Sørensen mit Vorschoterin Wiebke Finkemeyer auf Rang drei.
Morgen stehen noch drei Wettfahrten aus. Wenn sich der Wind so entwickelt wie heute, sollten alle drei Läufe stattfinden können.
Kielzugvogel

Eine Stunde Geduld zahlte sich aus. Die Kielzugvogel-Flotte wartete am Abschlusstag auf besseren Wind. Als sich gegen Mittag doch etwas Thermik aufbaute, gingen 21 Boote auf die Bahn und segelten zwei abschließende Wettfahrten bei ordentlichen Bedingungen.
Alexander Morgenstern sicherte sich die Internationale Deutsche Meisterschaft. Trotz der Disqualifikation im zweiten Lauf wegen unerlaubten Pumpens segelte er souverän an der Spitze mit und ließ es sich nicht nehmen, in den letzten vier Wettfahrten jeweils als Erster ins Ziel einzulaufen. Drei Strafpunkte für einen fehlerhaften Check-in bescherten ihm in der letzten Wettfahrt zusätzlich eine Vier in der Ergebnisliste, doch das reichte zum Titelgewinn.
Frank Schönfeldt, der die Regatta mit einem Sieg im ersten Rennen eröffnet hatte, folgt auf Rang zwei. Axel Fischer komplettiert das Podium auf Platz drei.
Korsar

Silja und Jonna Braun haben auch heute nichts anbrennen lassen. Alle drei Wettfahrten des Tages gewann das Geschwisterduo und baute seine ohnehin komfortable Führung weiter aus. Etwas anderes als einen ersten Platz scheinen die beiden vor Warnemünde nicht segeln zu können. Sogar ihr Streichergebnis ist nach acht Wettfahrten ein erster Platz.
Dabei war der Tag alles andere als einfach. Der Wind aus Nord brachte ähnliche Bedingungen wie auf den Nachbarbahnen – sieben bis zehn Knoten –, doch eine Begleiterscheinung machte den Schwestern heute zu schaffen.
„Es baute sich dann eine kurze, kabbelige Welle auf. Auf der Kreuz war es für uns recht anspruchsvoll, damit wir uns nicht feststampfen“, beschreibt Braun die Verhältnisse. Der letzte Lauf zog sich mit nachlassendem Wind etwas hin, aber: „Das Ergebnis stimmt!“
Dass überhaupt gesegelt werden konnte, war keine Selbstverständlichkeit, denn heute Morgen sah es noch so aus, als ob die Windgrenze für den Start von fünf Knoten nicht erreicht werden könnte.
„Eigentlich waren wir überrascht, dass es rausging. Wir wurden auch rausgeschleppt“, so Braun, die sich dann aber über den guten Wind auf der Bahn freute. Hinter den Führenden bleibt die Reihenfolge stabil: Beate Wahrendorf-Kruck liegt auf Rang zwei, Alexander Biskupek auf Rang drei.
Die Korsare segeln morgen ihren Abschlusstag. Die Entscheidung an der Spitze dürfte längst gefallen sein. Oder vielleicht doch nicht? Silja Braun lächelt verschmitzt. Sie habe sich mit den Terminen etwas verzettelt und gedacht, die Regatta ende bereits am Samstag. Für Sonntag habe sie deshalb andere Termine. „Aber das hat uns auch angespornt, in den letzten Tagen so gut wie möglich zu segeln!“, sagt ihre Schwester Jonna.
Es könnte für die beiden Seglerinnen reichen, wenn ihre engsten Verfolgerinnen, Beate Wahrendorf-Kruck und Vorschoterin Ute Rogers, morgen nicht beide Wettfahrten gewinnen.
OK

Gestern wurde bereits vorsorglich eine Wettfahrt zusätzlich gesegelt, sodass heute entschieden wurde, nur zwei statt der ursprünglich vorgesehenen drei Wettfahrten auszutragen.
André Budzien bleibt an der Spitze – doch der Tag gehörte anderen. Sebastian Schmidt-Klügmann und Mathias Rieck holten sich jeweils einen Tagessieg und zeigten, dass das Feld dichter zusammengerückt ist, als die Gesamttabelle vermuten lässt.
Budzien kam mit einem vierten und einem zweiten Platz durch den Tag und verteidigte damit die Gesamtführung. Dahinter folgt Cord Prignitz. Punktgleich auf den Plätzen drei und vier liegen Sebastian Schmidt-Klügmann und Vincent Schrader.
Leichter Wind um zehn Knoten und eine kurze, kabbelige Welle prägten den Tag. Fünf Rennen liegen hinter der Klasse, für morgen stehen noch zwei Wettfahrten an.
„Wir hatten mit dem Wind etwas zu kämpfen. Irgendwann setzte dann ein großer Rechtsdreher durch Thermik ein, die sich ja eigentlich nicht aufbauen sollte. Wir mussten den Kurs öfter umbauen und die Tonnenleger kamen bestimmt ganz schön ins Schwitzen“, sagt Malte Rackow.
Beneteau First 18
Tom Bernstein hat sich heute an der Spitze festgesetzt. Dahinter liegt Walter Wüllenweber, der die Regatta mit zwei Siegen in den ersten Rennen dominiert hatte und nun auf Rang zwei folgt. Bernstein ist rechnerisch nicht mehr einzuholen. Die einzige noch offene Wettfahrt kann der Greifswalder morgen genießen.
Die Bedingungen auf dem Wasser waren ähnlich wie auf den anderen Bahnen: leichter Wind um zehn Knoten aus Nord und dazu eine kurze, kabbelige Welle, mit der die First 18 gut zurechtkam.








