Erster Teil erfolgreich beendet: Warnemünde bietet einfach gute Segelbedingungen

Leichter Nieselregen lag heute Vormittag über der Mündung der Warnow, als die ersten Crews für die Langstrecke Rund Bornholm ablegten, um ihre Boote einzutrimmen. Bevor es allerdings hinaus in den Startbereich vor dem Strand ging, mussten sich die Crews noch präsentieren. Vor der Mittelmole mussten alle Crews vollzählig an Deck erscheinen, eine Rettungsweste tragen und an der Sicherheitslinie, dem Strecktau, eingepickt sein. Erst dann ging es hinaus in die Vorstartphase.
Für die Zuschauer auf der Tribüne am Strand von Warnemünde klarte es zwar nicht auf, doch der Regen ließ nach und hörte sogar ganz auf, als die erste Startgruppe um 13.05 Uhr startete. Unter der fachkundigen Moderation von Uli Groß konnten die Zuschauer beobachten, wie die großen Seeyachten ohne größere Positionskämpfe die Linie überquerten, ihre bunten Vorwindtücher setzten und mit Brassfahrt in Richtung Nordost preschten. Noch wehte es recht beständig mit zehn bis 15 Knoten aus Südwest.
Für die Querung des durch Fähren und Frachter befahrenen Fahrwassers vor Warnemünde meldete die Wettfahrtleitung das erhöhte Aufkommen der Yachten selbstverständlich an. Als die Verkehrsleitzentrale dann für den avisierten Startzeitraum gleich acht einlaufende Schiffe ankündigte, sorgte das für einen kurzen Schreckmoment. „Dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten und gegenseitiger Rücksichtnahme zwischen den einlaufenden Berufsschiffen und den Seglern verlief aber alles glatt“, fasst der Wettfahrtleiter der Rund Bornholm, Dirk Jahnke, zusammen. Die Fähren blieben draußen sogar kurz in Warteposition, um den Kanal für die Crews auf dem Weg gen Rügen freizuhalten.

28 Yachten von ursprünglich 33 gemeldeten Booten befinden sich seit 13.05 Uhr mit Wind von achtern auf dem Weg nach Rügen. Spannend wird es dann auf dem Rückweg, wenn die Crews nach dem Runden der Tonne nördlich von Rügen gegen den Wind zurückkreuzen müssen.
„Wir werden gleich nach dem Start den Spinnaker setzen und schauen, wie wir bis zur Wendetonne kommen. Und auf der Kreuz zurück müssen wir dann halt sehen, wie es läuft“, sagte Klaus-Dieter Hink von der Saphira vor dem Start.
Mit der Verkürzung der Bahn auf nur etwas über 100 Seemeilen sind die Teilnehmer im Großen und Ganzen zufrieden.
„Ich glaube, in dem verkürzten Teil kommen wir heil an. Wenn wir nach Bornholm gesegelt wären, wäre das heftig geworden. Wir werden bestimmt nicht Erster, aber wir geben uns Mühe!“, so Oliver Heyne von der potosiX, der mit Bert Cristesen doublehanded startet.
Die schnellsten Schiffe im Feld werden Montagabend zwischen 22.00 Uhr und 23.00 Uhr erwartet. Die meisten Teilnehmer kommen dann voraussichtlich bis Dienstagmittag vor dem angekündigten Starkwind ins Ziel.
Showdown im ILCA 7

Der spannendste Kampf um das Treppchen fand heute in der ILCA-7-Klasse statt. Nach zwei souveränen Tagen auf dem Wasser stand Nik Aaron Willim ganz oben auf der Liste, dicht gefolgt von Vorjahressieger Ole Schweckendiek. Die beiden trennten nur vier Punkte – im ILCA-Feld fast nichts.
„Ich bin immer ganz gut rausgekommen, habe mich aus dem ganzen Stress freigehalten, und ich denke, heute war es das Wichtigste, frei loszukommen und seinen Weg zu segeln“, fasst Ole Schweckendiek seine Strategie zusammen. Das gelang ihm ausgesprochen gut: Mit Rang eins und zwei lieferte er perfekt ab.
Für Nik Aaron Willim lief es im gestrigen letzten Rennen schon nicht gut. „Gestern war das letzte Rennen schlecht: Ich bin nicht gut von der Linie weggekommen, habe einige strategische Fehler gemacht und dann zu viel Abstand nach vorne gehabt. Habe dann aber alles gegeben und war wieder Dritter, bin dann aber leider umgekippt. Ich habe vielleicht etwas zu viel gegeben“, blickt Willim auf den gestrigen Tag zurück.
In den heutigen Rennen habe er dann wieder gefightet und sei auch stolz auf sich, dass er sich trotz der Anstrengungen in den letzten Tagen noch so motivieren konnte. Doch im letzten Rennen haben dann wieder zehn Meter gefehlt. Mit Rang sieben reichte es nicht mehr für den Sieg in der Eastern District Championship. Den sicherte sich der Kieler Ole Schweckendiek.

Für Willim war es aber eine wichtige Teilnahme mit einem sehenswerten Ergebnis. Nach der letzten Olympiakampagne nahm er sich 2024 eine Auszeit und stieg erst in diesem Jahr wieder in den Leistungssport ein. „Ich hatte chronische Migräne, die immer stärker wurde, war am Ende schmerzmittelabhängig, und dann musste ich den Sport etwas zurückstellen. Außerdem habe ich nebenbei noch meinen Master gemacht“, blickt er auf die letzten beiden Jahre zurück. Jetzt möchte er wieder einsteigen und noch mindestens zwei Jahre bis zu den Olympischen Spielen aktiv im ILCA segeln. Nach der Warnemünder Woche blicken Willim und Schweckendiek schon auf die Weltmeisterschaft in Dublin, die in ein paar Monaten stattfindet.
Aber nach Warnemünde werden beide mit Sicherheit zurückkehren. „Bei Westwind ist Warnemünde das geilste Revier in Deutschland“, schließt Willim seine Teilnahme an der diesjährigen Warnemünder Woche ab.
ILCA 4 und 6

Foto: Pepe Hartmann
Nachdem die ILCA 4 am gestrigen Starkwindtag pausiert hatten, ging es heute für die verbliebenen 17 Starter für gleich drei Wettfahrten hinaus aufs Wasser. Die Führende Kira Gremlitza ließ nichts mehr anbrennen und konnte sich im ersten Lauf sogar ihren Streicher mit Platz fünf erlauben. Mit den Plätzen eins und zwei in den nächsten beiden Läufen sicherte sich die Jugendseglerin des Berliner Yacht-Clubs den Sieg in der Eastern District Championship der ILCA 4. Auf Rang zwei dahinter: Julian Konrad Garbe, der einen ärgerlichen Penalty kassierte, welcher den Verlauf des Rennens aber nicht groß beeinflusste. Rasmus Buck komplettiert das Treppchen.
Im ILCA 6 lieferte der diesjährige Eastern District Champion Victor Hensel die wohl konstanteste Leistung der bisherigen Warnemünder Woche ab. Sechs Rennen in Folge auf Platz eins – die schlechteste Platzierung, als Streicher, war Rang zwei in der ersten Wettfahrt.
Mit Abstand dahinter: Peter Selko aus Dänemark und Stephanie Louise Norton aus Hongkong.
Finn-Dinghy

Foto: Pepe Hartmann
Nach den Starkwindrennen am Vortag mit nur vier Startern gingen heute die verbliebenen zehn Starter aufs Wasser. Die zwei Wettfahrten brachten aber keine Veränderungen im Klassement mehr. André Budzien sicherte sich den Gesamtsieg bei den anspruchsvollen Bedingungen vor Warnemünde vor Fabian Lemmer und Harald Weichert.
„Sehr herausfordernde Bedingungen. Leider war unser Feld nicht so groß. Aber die besten Segler der Klasse aus Deutschland waren hier. Es war ein sehr interessanter Wettkampf. Es hat super Spaß gemacht.“
André Budzien verlässt die 88. Warnemünder Woche noch nicht, sondern startet am Freitag im OK. Für das Wochenende sind eher leichte Winde vorhergesagt. Das hätte sich Budzien eher umgekehrt gewünscht. Die OK ist etwas kleiner, und er sei relativ schwer, führt er aus. Bei weniger Wind rechnet er daher eher mit Problemen.
Topcat

Endlich konnten die Topcats auch in allen Klassen Wettfahrten segeln. Die Bedingungen mit zehn bis 15 Knoten waren heute besser als zuvor.
Sascha Streichel dominierte das kleine Feld der Topcat K1 mit insgesamt vier ersten Plätzen. Dahinter folgten Gerrit Haake und Sascha Giebelhausen.
Im K2 starteten nur noch Ralf Zank und Steffen Johne in den letzten Tag. In dieser Reihenfolge standen sie auch auf dem Treppchen – und auch in den einzelnen Wettfahrten.
Ein ähnliches Bild bei den K3. In der ohnehin nur mit drei Teilnehmern besetzten Klasse starteten noch Matthias Horstmann und Enno Harders. Hier stand Horstmann schließlich oben auf dem Treppchen.
O’pen Skiff

Foto: Pepe Hartmann
Erstmals konnten die Seglerinnen und Segler im O’pen Skiff im Rahmen der Warnemünder Woche aufs Wasser. Bei Winden um zehn bis 13 Knoten segelten die Jüngsten zwei Wettfahrten auf ihrem Kurs dicht unter Land vor dem Warnemünder Strand.
In der Klasse der unter 13-Jährigen ist das Podium noch sehr dicht beieinander. Filip Zbyryt aus Polen führt die Liste heute vor Benedikt Becker und Henryk Glaza an.
Bei den älteren Teilnehmern unter 17 liegt die Polin Paulina Szczepa äußerst knapp vor Florian Schupp und Pawel Sitko.
Aufgrund der angesagten Wetterbedingungen ist es fraglich, ob die Skiffs am Dienstag ihre angesetzten Rennen segeln können. Wahrscheinlich geht es für die dann am Mittwoch weiter.








