Tag zwei: Warnemünde fordert die Segler

Ein Tag der Warnemünder Woche beginnt in der Regel mit einem Blick in den Himmel und hinaus auf die Ostsee. Am heutigen Morgen ließ schon das Pfeifen des Windes erahnen, was vor der schützenden Mole Warnemündes los ist. Mit bis zu 37 Knoten Wind in Böen (acht Beaufort) peitschte der Wind am Morgen über den Strand.

Wieder zog in der Nacht ein Tiefausläufer über die Ostsee und sorgte für eine Rückseitenlage mit erneut strammem Wind aus Nordwest. Doch im Gegensatz zum Vortag sollte der Wind im Tagesverlauf nicht abnehmen. So verwunderte es nicht, dass die Wettfahrtleiter im morgendlichen Wetterbriefing ganz genau zuhörten und Principal Race Officer Pinar Coşkuner Genç auch noch wissen wollte, wie es denn am Montag und Dienstag aussehe – schließlich steht am Montag mit Rund Bornholm als Teil Wiro-XXL-Cups das Offshore-Highlight der Veranstaltung an.

Tatsächlich soll der Wind in den nächsten Tagen sogar noch zunehmen. Mit der Vorhersage von bis zu zehn Beaufort in Böen am Dienstag im Hinterkopf verkürzte die Wettfahrtleitung am Sonntagnachmittag den Kurs so, dass Bornholm nicht mehr gerundet werden muss. Der Turning Point der „neuen“ Langstrecke liegt nun etwa 55 Seemeilen entfernt nördlich von Rügen. Die Verkürzung soll die Crews sicher vor den erwarteten Windspitzen zurück nach Warnemünde bringen.

Doch wie sollte es heute weitergehen? Schließlich waren Wettfahrten für Finn Dinghy, ILCA und Topcat angesetzt. In enger Abstimmung mit den einzelnen Klassen sollte im Laufe des Vormittags eine Entscheidung gefunden werden.

Da die Topcats bereits am Vortag mit der Welle zu kämpfen hatten, stand schnell eine Entscheidung fest: Die Topcats bleiben im Hafen. Dafür soll morgen versucht werden, gleich vier Rennen zu starten.

Finn

Die Finns waren die ersten, die um 11.00 Uhr die Startlinie überquerten – allerdings nur mit vier Booten anstatt elf. Bereits am Morgen war das Finn-Feld zwiegespalten. Die eine Hälfte befürwortete einen Start bei diesen Bedingungen, die andere war eher skeptisch. Die Wettfahrtleitung um Ekkehard Schulz traf dann die Entscheidung, zumindest ein Rennen zu starten. Ein Großteil der Teilnehmer entschied sich daraufhin, im Hafen zu bleiben, während vier Starter sich für die Arbeit in den Wellen entschieden. Da die vier mit den Bedingungen zurechtkamen, fiel um kurz vor 12.00 Uhr der Startschuss für eine zweite Wettfahrt.

„Es war ein hartes Stück Arbeit draußen. Es war in meinen Augen aber in Ordnung, das Rennen zu starten und auch, dass einige nicht rausgefahren sind. Abschließend kann ich sagen: Es war ein geiler Segeltag“, sagt Harald Weichert, der mit einem zweiten und einem dritten Platz heute seinen Podiumsplatz knapp hinter Fabian Lemmel und André Budzien verteidigte.

Zum Schluss frischte es in der zweiten Wettfahrt wieder auf, sodass die Wettfahrtleitung entschied, kein drittes Race mehr zu starten, sondern die Segler in den Hafen zu holen.

Ergebnisse Finn-Dinghy

ILCA

Für die Jüngsten im ILCA 4 stand ebenfalls früh fest, dass sie an diesem Tag nicht an den Start gehen werden. Bereits gestern hatten einige der Starter Schwierigkeiten, sodass heute kein Risiko mehr eingegangen wurde.

Für die ILCA 6 und 7 sollte es hingegen noch auf das Wasser gehen. Doch das gestaltete sich schwieriger als angenommen. In der Welle vor Warnemünde war das Ankern mit dem Startschiff schwierig bis unmöglich, sodass ganz pragmatisch die vorhandene „Infrastruktur“ der Bahn Charlie genutzt wurde, auf der die Finns ihre Wettfahrten abgeschlossen hatten.

Für die 35 Starter des heutigen Tages in der ILCA-7-Klasse fiel bei anspruchsvollen Bedingungen um kurz vor 14.00 Uhr endlich der erste Startschuss. Hier entwickelte sich zwischen dem Vorjahressieger Ole Schweckendiek und dem aktuell führenden Nik Aaron Willim ein spannender Zweikampf um das Podium. In der ersten Wettfahrt querte der Kieler vor Willim die Ziellinie. Doch im zweiten Rennen des Tages lief es für Schweckendiek dann nicht so gut.

„Ich hatte keinen guten Start im zweiten Rennen und bin dann etwas gegen die Dreher gefahren, sodass ich nur als Neunter über die Linie kam“, fasste Schweckendiek das zweite Rennen zusammen. Nik Aaron Willim zeigte wieder eine konstante Leistung mit Rang zwei.

Im dritten Lauf dann umgekehrte Vorzeichen: Willim fuhr mit einem siebten Rang sein vorläufiges Streichergebnis ein, während Schweckendiek als Zweiter ins Ziel segelte.

Den größten Sprung schaffte hingegen der Däne Mark Hestbæk, der zweimal als Erster das Ziel erreichte und sich so vorbei an Theodor Middelthon aufs vorläufige Podium schob. Angeführt wird das ILCA-7-Feld weiterhin von Nik Aaron Willim vor Ole Schweckendiek. Für morgen sollen drei Wettfahrten die Entscheidung bringen. Die Abstände sind noch immer so gering, dass es Verschiebungen auf dem Podium geben kann und ein Fehler ausreicht, um den Sieg zu verpassen.

„Es war gut, dass wir draußen waren. Wir hatten eine ordentliche Welle, was das Segeln sehr physisch machte. Für morgen gilt es, gute Starts zu fahren. Aber vor allem geht es darum, Spaß zu haben und natürlich zu schauen, was geht!“, wagt Ole Schweckendiek den Blick auf den Montag.

Bei den ILCA 6 zeigt Victor Hensel eine herausragende Leistung und dominiert das Feld mit insgesamt vier ersten Plätzen und einem zweiten Platz, der aktuell als Streicher gewertet wird. Die restlichen Plätze auf dem Podium nehmen vorläufig Peter Selko aus Dänemark und Stephanie Louise Norton aus Hongkong ein.

Ergebnisse ILCA 7

Ergebnisse ILCA 6