Zünftige Begrüßung für die Warnemünder Jolle

Dreimal lang gibt Heiko Bartling, Kapitän des Fahrgastschiffes „Markgrafenheide“, als „Oll Stromer“ gemütlich am Dampfer vorbeituckert.

Es ist inzwischen 10.40 Uhr an diesem Sonntag der Warnemünder Woche. Um 10.32 Uhr hat die Jolle noch mit Wind und Wellen beim Runden der Mittelmole gekämpft, und schließlich sogar die Segel einrollen müssen, wie Uwe Heimhardt, Vorsitzender des Museumsvereins akribisch festgehalten hat. Doch jetzt sitzen die Insassen ganz gerade auf den Holzbänken: Renate und Werner Kreuscher in Warnemünder Tracht und die Männer der historischen Bootswerft des Schifffahrtsmuseums. Stolz sind sie allesamt, hier unterhalb der Bahnhofsbrücke festgemacht zu haben.

Der Empfang ist ja auch prächtig: Leierkastenmusik, Akkordeon und all die Frauen, Mädchen und Männer der Trachtengruppe – und natürlich hunderte Schaulustige. Es ist ein ungewöhnliches Bild, dass wieder mal eine Volljolle in den alten Strom einfährt. Im Jahr 1288, so heißt es aus dem Heimatmuseum, war es normal, dass die Fischer mit den schnellen Jollen zum Heringsfang ausliefen. Ab 1920 gingen dann fast nur noch motorisierte Jollen zum Fischen in See und lieferten sich sogar Regatten. Die engagierte Leiterin des Schifffahrtsmuseum Dr. Kathrin Möller hatte gemeinsam mit dem Förderkreis und dem Heimatmuseum des Ostseebades vor, eine Warnemünder Volljolle auf Kiel zu legen. 2018, zum 800. Jubiläum der Hansestadt Rostock, war der Stapellauf. Die Warnemünder Jolle, auch Twei-Smaker genannt, ist knapp 7,50 lang. Sie entstand aus einem acht Meter langen Baumstamm. Drei Bootsbauer und sechs Ehrenamtler haben in liebevoller Handarbeit 56 Spanten vorm Biegen gekocht, rund 1.600 Kupfernieten in 18 Planken eingeschlagen, Masten aufgestellt und 22 Quadratmeter Segel daran befestigt. Doch die Bootsbauer wollten es damit nicht bewenden lassen. Ein restaurierter Heuer aus den Boddengewässern, der “Dwarskopp“, und ein Arbeitsboot, der “Macker“, liefen heute gleichzeitig mit in den Strom ein.

Zurück zu den Passagieren auf der Jolle, die heute von Mitgliedern der Trachtengruppe verkörpert wurden. Damals waren die Fischerfrauen schnell am Boot, luden ihre Körbe voll mit Fisch und die Männer schipperten sie nach Rostock. Erst wenn kein Fischschwanz mehr in den Körben zappelte, ging es wieder nach Hause. Heute waren im Korb der Fischfrau aus der Trachtengruppe Blumen.

Gratulation für die Bootsbauer, die so regionales Kulturgut zum Leben erweckt haben.

Monika Kadner

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