Der Kleinste mit dem größten Segel und der weitesten Anreise: der Raceboarder Han Kim aus Südkorea

Mit weißen Schaumkronen rollen die Wellen auf den Warnemünder Strand an der Sport Beach Arena zu. Voller Respekt schaut Han Kim auf das Meer. „Ich hoffe, wir müssen da heute nicht raus“, sagt der Koreaner. Er ist einer der rund 110 Teilnehmer der Raceboard Weltmeisterschaft und aus seiner Heimat, wie viele seiner Mitstreiter, eher Leichtwindbedingungen gewöhnt.

Für Han Kim bedeutet die WM-Teilnahme gleich zwei Premieren: Es ist seine erste internationale Regatta und gleichzeitig sein erster Europaaufenthalt. „Ich habe erst vor zwei Jahren mit dem Windsurfen begonnen, war aber bereits Champion in Korea. Hier sind die Bedingungen für mich hart, weil ich es gewohnt bin, bei wenig Wind und kaum Welle zu surfen. Ich bin hier gefühlt der kleinste Fahrer mit dem größten Segel“, erklärt der 28-Jährige. Tongyeong lautet der Name seines Heimatwindsurfreviers an der Südküste Südkoreas. Von seinem Wohnsitz in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ist der Spot etliche Stunden Autofahrt entfernt. An der Raceboard-Klasse gefällt Kim die Tatsache, dass dabei nicht ausschließlich physische Kraft, sondern viel taktisches Geschick gefragt ist. „Alter spielt beim Raceboarden deshalb kaum eine Rolle. Auch ältere Fahrer können problemlos gegen junge gewinnen. Außerdem brauchen wir zum Windsurfen nur wenig Wind und können so sehr häufig trainieren“, sagt der Koreaner, der beruflich in der Finanzbranche zu Hause ist.  

Der Windsurfmarkt selbst sei in Korea deutlich kleiner als in Deutschland, das Raceboarden dagegen deutlich verbreiteter als hierzulande. „In Korea ist jede Racebord-Regatta so groß wie hier die WM“, sagt Han Kim ein wenig stolz. Teilweise würde der Staat in seiner Heimat den Windsurfsport finanziell unterstützen, so dass auch Jugendliche ohne reiche Eltern das Surfen erlernen können.    

28 Stunden Anreise hat der Koreaner für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Kauf genommen. Im Gepäck hatte er als Ausrüstung nur seinen Neoprenanzug und das Trapez. Ein Brett und Segel hat er sich für die WM geliehen, weil der Transport zu umständlich gewesen wäre. Hätte er geahnt, wie kalt es hier im Sommer sein kann, hätte er dickere Kleidung mitgenommen, sagt er.

Bevor er nach Warnemünde gekommen ist, hat er einen Zwischenstopp in Norwegen bei einem Facebookfreund aus Raceboard-Kreisen eingelegt. „Ein wunderschönes Land – viel Natur und Hirsche auf der Straße“, erzählt er begeistert. Aber auch Deutschland gefalle ihm sehr. „Die Menschen hier sind sehr freundlich, aber alle ziemlich groß“, hat Han Kim festgestellt. Ein bisschen enttäuscht sei er von den weltweit bekannten Frankfurter Würstchen, umso besser schmecke aber das deutsche Bier. „Essen zu gehen ist in Deutschland so viel billiger in Korea“, staunt Kim. Direkt nach der Weltmeisterschaft macht sich Han Kim wieder auf den Weg nach Korea, weil die Arbeit ruft. Er hofft jedoch, vorher in Warnemünde noch ein paar spannende Rennen mit dem Raceboard zu fahren. „Aber drück die Daumen dass ich nicht mehr heute aufs Wasser muss, sondern erst bei weniger Wind“, sagt er mit einem Blick auf die Wellen. Es ist ein Wunsch, der nicht in Erfüllung gehen sollte: Am Montagnachmittag wurden die ersten Rennen gestartet, aber Kim meisterte die Herausforderung entgegen seiner Befürchtungen problemlos. Katrin Heidemann