2.4 mR – das ist wie „Segelschach“

    „Bei der Warnemünder Woche gibt’s die dicksten Medaillen – ein guter Grund, immer wieder zu kommen!“ Kalle Dehler, zum ersten Mal zu Gast in einer Einheitsklasse und nicht wie sonst auf den eher größeren Yachten, blickt auf ein erfolgreiches Wochenende zurück und erfreut sich an seinen neuen seglerischen Erfahrungen.

    2.4 mR sind circa vier Meter lange Hightech-Kielboote, die, im Gegensatz zur „Titanic“, tatsächlich unsinkbar sind. Ihre Konstruktion erlaubt es auch Menschen mit Behinderung, am Segelsport teilzunehmen, weshalb die Bootsklasse bis 2016 paralympisch war. „Achtzig Prozent der deutschen 2.4 Segler haben aber keine Behinderung. Das zeigt, dass das Boot bei zahlreichen Segelbegeisterten, unabhängig von der körperlichen Verfassung, gut ankommt“, beschreibt Bernd-Leopold Käther mit leichtem Schwärmen die 2.4-Segelszene. Der Berliner, unter Seglern als „Poldi“ bekannt, sitzt selbst im Rollstuhl und ist auf der Warnemünder Woche nicht nur Sportler, sondern auch ehrenamtlicher Helfer. Sein technisches Know-how ist bei der teilweise komplizierten Ergebnisberechnung unverzichtbar: „Die größeren Segelyachten unterscheiden sich alle in ihrer Bauweise, ein kompliziertes Berechnungssystem versucht diese Unterschiede auszugleichen. Bei Einheitsklassen wie dem 2.4, wo alle Boote den vorgegebenen Standards entsprechen müssen, hat man dieses Problem natürlich nicht. Wer zuerst im Ziel ist, hat dann gewonnen.“

    Für Kalle Dehler ist das Segeln in einer Einheitsklasse auch eine Umstellung. 2013 gewann er mit seiner Crew die Internationale Deutsche Meisterschaft im Seesegeln auf ihrer Yacht „Sporthotel“ in Warnemünde. Im 2.4 war nun keine aufwendige Berechnung mehr notwendig. Nach zwei Siegen und einem zweiten Platz in drei Wettfahrten entschied er den Wettkampf am Ende klar für sich: „Das taktische Segeln hat nun deutlich Vorrang, es geht nicht allzu sehr um die körperliche Beschaffenheit, man kann das als Segelschach beschreiben.“ Vor sechs Jahren kam der Greifswalder zum ersten mal durch seinen Sohn Thomas, der als Trainer für paralympisches Segeln tätig war, mit dem kleinen Kielboot in Kontakt. Daraufhin leisteten einige Mitsegler ein wenig Überredungskunst, bis er sich für den Kauf eines eigenen kleinen Bootes entschied. „Mein großes Segelidol Ulli Libor hat mich auf den Geschmack gebracht“, erklärt Dehler. Der mehrfache Olympiamedaillengewinner ist ein bekanntes deutsches Segelass und in letzter Zeit auch häufiger im 2.4 anzutreffen. So ganz möchte Kalle Dehler aber nicht auf das Seesegeln verzichten. Der Bootskonstrukteur arbeitet derzeit an der „Dehler 30“, ein Schiff, das unter den größeren Yachten auch als Einheitsklasse für Regatten genutzt werden soll. Dann wären aufwendige Berechnungen nicht mehr notwendig.