Seit Jahrzehnten dem Sport verschrieben

Mit Ortrun Tober, einer Sportlerin des SV Warnemünde, der sein 70jähriges Jubiläum in diesem Jahr feiert, sind wir zum Ümgang verabredet – „Aber nur zehn Minuten, ich muss dann weg!“ Wir warten und warten… Am Treffpunkt füllen sich die Reihen mit Sportlern. Unübersehbar nicht nur durch ihre Plakate für die neun verschiedenen Abteilungen des Vereins, sondern vor allem durch das Rot der Vereinsshirts, das Lachen und das herzliche Begrüßen.

Die Volleyballer pritschen über ein Mini-Netz, die Handballer spielen sich die Bälle zu, auch im übertragenen Sinne, als sie Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling und den zukünftigen OB Claus Ruhe Madsen, der ihr Vereinsmitglied ist, in einen Kreis für ein Foto ziehen. Die Sportakrobaten  können einfach nicht stillstehen. Sie tanzen, bauen menschliche Pyramiden und als die fünfjährige July mit ihrer sechsjährigen Freundin aus einer Figur heraus durch die Luft gewirbelt wird, bleibt spontaner Beifall nicht aus. Fußballer kicken in kurzen Distanzen. Senior der Leichtathleten, Ecky Romeyke bringt’s auf den Punkt: „Diesen Spaß des Ümgangs zur Warnemünder Woche muss man einfach mitmachen!“

Und wo bleibt Ortrun? Ortrun Tober ist nicht „weg“, sondern schon „da“, weil sie im Kurhausgarten gemeinsam mit Renate Cornelsen auf ihre rund 250 Sportfreunde mit einem großen Topf voller Würstchen, Brot und Getränken wartet. Sie konnte nicht wie verabredet kommen. Sie musste erst einmal akkurat die improvisierte Würstchenbude herrichten. Das war doch eine ungewöhnliche Aufgabe für die examinierte Physiotherapeutin, denn eigentlich hat sie sich jetzt als Rentnerin voll dem Vereinssport verschrieben. Was sie allerdings in ihrer Freizeit schon seit 1972 tat. Bei ihr als Übungsleiterin turnten einmal in der Woche die Warnemünder Frauen. Als man in die Jahre kam, holte man sich bei gymnastischen Übungen häufiger Muskelkater, den sie eigentlich nicht zuließ, durch ihre fundierten Kenntnisse. Generationen lernten bei ihr, sich von Kindesbeinen an im Verein in den unterschiedlichsten Kindergruppen sportlich zu bewegen. Es waren 200 oder 300 Mädchen und Jungen, die keine Angst mehr vor dem großen Ostseewasser und dem kleinen Stromwasser hatten, weil sie bei Ortrun schwimmen lernten.

So wie die 75-jährige Ortrun Tober halten es viele Männer und Frauen, die seit Jahrzehnten nicht auf den Sport verzichten wollen, sich einbringen als Übungsleiter, als Organisatoren und ihr Hobby mit Enthusiasmus weiterreichen, damit Jung und Alt möglichst selten die Zunft in Weiß mit Stethoskop und Skalpell aufsuchen müssen.

Die lütte Ida mit ihren drei Jahren war an der Hand ihrer Mutti vielleicht die jüngste Vertreterin im Block der Sportler des diesjährigen Ümgangs. Sie trug voller Selbstbewusstsein auf ihrem roten Vereins-T-Shirt den Schriftzug „Kinder in Bewegung“.

So aufgestellt, wird der Sportverein Warnemünde ganz sicher noch sein hundertstes Jubiläum feiern. Monika Kadner