Lebendige Sportgeschichte

Gerade rechtzeitig zur Warnemünde Woche ist im Heimatmuseum des Ostseebades eine Sonderausstellung zum 70-jährigen Jubiläum des Sports im Hafenort an der Warnowmündung eröffnet worden.

Werner Rieck kann es kaum fassen, als er das Heimatmuseum besucht: Da steht er als 14-jähriger stolz auf dem Siegertreppchen mit Blumen in der Hand, denn er wurde der erste DDR-Meister im Optimisten Segeln! Das war im Jahr 1964. Werner Rieck erzählt es dem Museumsleiter Christoph Wegner ganz genau, wie er als Knirps schon mit dem Optimisten, einer bis dahin völlig unbekannten Bootsklasse in Deutschland, zwischen den Molenköpfen trainierte oder um die Dalben im Yachthafen bis zum Mittelmolenkopf kreuzte. 1962 baute die Warnowwerft nach dänischem Vorbild – die Ostseenachbarn hatten zur Ostseewoche 1961 der Stadt einen Optimisten geschenkt – fünf Boote. „Eines durfte ich segeln. Meinen Opti mit dem rot-weißen Segel und der Nummer O 14.“ Die Urkunden über die Segelerfolge Werner Riecks füllen ein dickes Buch – auch mit seinen Erfolgen in der Bootsklasse Cadet, in der er anschließend steuerte und später dann an Bord des Seekreuzers „Venus“. Der Museumsleiter ist sichtlich stolz, dass er während der internationalen Segelregatten interessierte Sportler begrüßen kann. „Aber besonders spannend ist es doch, wenn Museumsstücke lebendig werden, wenn Protagonisten berichten.“ so Wegner.

Ja, und Werner Rieck hat noch eine ganz besondere Episode für das Heimatmuseum und nun auch für das Pressebüro parat. „Bei einer Einladung zur Regatta nach Gdynia riskierten wir vier Sportler an Bord der „Venus“ einen Schlag in Richtung Dänemark. Die Offiziellen der DDR hatten ja keine genaue Zeitvorstellung wie lange unser Boot bräuchte bis zum Start in Polen. Wir waren zu neugierig, wie es ein paar Seemeilen weiter von uns aussah. Hinter dem Eisernen Vorhang, der für uns ja nur Wasser, Wind und Wellen bedeutete.“ Da die Sportler sehr verschwiegen waren und gewohnt, nur mit dem Wind zu sprechen, flüsterte keiner der Warnemünder Jungs die West-Entdeckungen aus – bis zum Jahr 1989 und bis zum jetzigen Museumsbesuch. Übrigens war der gelernte Schiffselektriker seit dem Jahr 2000 Haus- und Hafenmeister in der Sportschule im Yachthafen, wo auch sein Sohn Mathias mit einem Optimisten zu segeln begann und bei den Wettkämpfen der 82.Warnemünder Woche mit dem  Kielboot J/22  aktiv in die Wettkämpfe mit eingreift.

Nach den ersten beiden Wettfahrten treffen wir ihn entspannt und sehr gelöst. „Einen siebten Platz konnten wir unter 31 Startern aus immerhin sechs Nationen, nach den ersten Fahrten einfahren. Das ist prima. Es ist ja mehr Spaß. Diese erste Woche im Juli ist so eine schöne Veranstaltung im bestem Segelrevier.“ Der 40 jährige Familienvater, der jetzt im brandenburgischen [Ort fehlt, oder] lebt, gerät richtig ins Schwärmen: „Cool war es schon immer, auch als ich im „Laser“ hier noch um Siege segelte, um die Olympiaqualifikation 2004 in Athen. Ich schätze vor allem diese besondere familiäre Atmosphäre. Hoffentlich geht die nie verloren.“ Auf der Ergebnisliste zur Mitte der J/22-Weltmeisterschaft findet sich das Boot  „Momo“ mit dem Steuermann Mathias Rieck und seinen Mitseglern, dem Hamburger Wilfried Kamp und Frank Simdel aus Düsseldorf, als zweitbestes deutsches Schiff unter den Top-Ten. „Schön, aber was zählt, ist eigentlich die Teilnahme an der Warnemünder Woche!“ so Mathias Rieck.

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