Die Zwei von der Tankstelle

Eine Segelveranstaltung ohne motorisierte Begleitboote zur Absicherung, für die Jury, die Wettfahrtleitung, den Shuttleverkehr oder auch um Journalisten ganz nah an den Ort des Geschehens zu bringen, ist undenkbar.

Morgens 9.00 Uhr. Hochbetrieb an der kleinen Tankstelle am Alten Strom. Die Funktionsboote machen nach und nach an der schmalen Steganlage fest. Sie alle füllen sich den Tank mit Benzin für den Wettkampftag. „Was wäre, wenn einem Schlauchboot plötzlich der Saft ausgeht auf der Regattabahn. Sehr vorsichtig gehen wir mit unserem Job um – verantwortungsbewusst. Was wäre, wenn Benzin ausläuft…“ Immo Stange, seit über 60 Jahren Mitglied im Warnemünder Segel-Club, und sein Partner an der Tankstelle Gerhard Wölk wissen genau wovon sie als langjährige Segler reden. Die Beiden, die längst auf der Rentenbank sitzen könnten, sind seit Jahren ehrenamtlich im Einsatz. „Unser Warnemünder Segel-Club hatte ja schon immer die Verantwortung für das Gelingen der Veranstaltung. Deshalb ist es selbstverständlich mit Hand anzulegen. Früher betreute ich die Funkstelle. Das war ein Job fast rund um die Uhr. Jetzt, mit 83 Jahren, trete ich ganz wenig kürzer, um noch lange dem Club zur Verfügung zu stehen.“  Nach und nach wird Immo Stanges Tabelle über die Menge der Betankungen und die konkreten Abnehmer gefüllt. Gerade legt Paule Ackenhausen mit dem Schlauchboot  „1“ an. Er nimmt 26,5 Liter. Das Schlauchboot mit der Registrierung „04“, das mit Utz Müller aus Neubrandenburg wenig später die Leinen ausbringt, braucht nur knappe zwei Liter Benzin. „Sicher ist sicher“ erklärt das Jury-Mitglied. Er, wie alle, die wir nicht nur an der Tankstelle trafen, reihen sich in die Schar der 300 ehrenamtlichen Helfer ein. „Ohne den sachkundigen, ehrenamtlichen Einsatz, wäre die Warnemünder Woche gar nicht zu bewältigen. Ich mache immer wieder gerne mit.“ So der Neubrandenburger.

Es geht auf elf Uhr zu. Weit und breit kein Schlauchboot in Sicht. Der Regattatag hat begonnen und wird auch Dank der Beiden von der Tankstelle nicht durch Benzinknappheit gestört werden.