Hüter der Tradition

„Toi, toi, toi!“ Liebevoll streicht Klaus Ewert über das Holzdeck seines „Klashahn“. Zu viele Emotionen will der 36jährige nach Außen hin nicht zeigen. In vorsichtiger Fahrt, kam er mit seiner Jolle per Trailer von Potsdam, aus seinem Segelclub Oberspree, zur Warnemünder Woche. Nach Hause!

„Obwohl ich längst in Potsdam berufliche und familiäre Wurzeln geschlagen habe, werde ich wohl immer Warnemünder bleiben. Das erste Mal gebe ich zur Warnemünder Woche nun mit einem eigenen Boot die Regattameldung für die Piratenklasse ab.“ Verschmitzt seinen Stolz verbergend, zeigt er auf die Steuerbordseite wo er voller Überzeugung den Spruch platzierte: „Guardian of tradition“ – „Hüter der Tradition“. Dahinter steht der Segler, wie wenig andere seiner Sportart. Schon sein Urgroßvater, Bäcker Ewert aus der Warnemünder Poststraße hatte sich dem Segelsport verschrieben und war einer der ersten, der sich 1925 in den gerade gegründeten Warnemünder Segel-Club einschrieb. Mit seinem Boot „Klashahn“, benannt nach den Eisenten, die im Winter den Alten Strom bevölkerten – oder doch etwa nach diesem Spottnamen für die Warnemünder? Möglich ist alles mit Schalk im Nacken.

Großvater Otto Ewert, legendärer Klockenschauster Otti vom Alten Strom, segelte als Jungmann, heute vergleichbar mit einem Optimisten-Segler, seit 1936 ebenfalls im WSC. Wenig später kreuzte er mit seinem Jollenkreuzer „Klashahn“ auf See vor seiner Haustür. Er wurde zu seinen Lebzeiten Ehrenmitglied im Club am Alten Strom.

Klaus Ewert und sein Pirat “Klashahn”. Foto: Nikolas Woeckner

Nun ist am Heck von Klaus Ewerts Boot ebenfalls und damit in dritter Generation der Schriftzug „Klashahn“ zu sehen. Auf dem Spiegel backbords, fehlt auch nicht der Warnemünder Stander mit dem Knurrhahn, dem Maskottchen der hiesigen Segler und der Hinweis auf den WSC. „In der Gemeinschaft des Warnemünder Segel-Clubs wuchsen nicht nur meine Seebeine. Erst auf den Optimisten, dann auf den 470ern, später auf Dickschiffen. Der Warnemünder Club ist einfach meine Heimat.“

Bevor er in sein Ölzeug steigt, die Neoprensocken überstreift, muss er unbedingt noch seine Begeisterung für das besondere, sein heimatliches Revier kundtun: „Eine tolle hohe Welle hat sich in den letzten Tagen aufgebaut. Ich genieße die lange Welle und die „Bravo“ Bahn (eine der Regattabahnen A.d.R.) ist meine Hausbahn seit Kindheit an. Ich bin solange nicht bei richtiger Ostseewelle gesegelt!“ Schon ertönt der Startschuss für die Piraten zur Ranglisten Regatta. Auf geht’s. Und wir sagen: „Mast und Schotbruch“ zum Auftakt der 82. Warnemünder Woche mit ihren Segelwettbewerben und den über 1.400 Seglern aus fast 40 Nationen. Ganz speziell an dieser Stelle für Klaus Ewert, den Warnemünder, der am kommenden Montag seinen 37.Geburtstag begeht.